Schulentwicklung

Schule unter Druck: Was aktuelle Studien über Entlastung und KI zeigen

Drei Studien zeigen, wo Schulen unter Druck stehen und welche Rolle Zusammenarbeit, klare Abläufe und KI bei der Entlastung spielen können.

Sina Schriewer6 Min. Lesezeit

KI-generiertes Bild: Drei pädagogische Fachkräfte sichten gemeinsam Unterlagen und einen Laptop an einem Tisch in der Schule.
Symbolbild · KI-generiert

Dokumentieren, organisieren, Anträge bearbeiten, Informationen aufbereiten und Absprachen koordinieren: Zum Schulalltag gehören zahlreiche Aufgaben, die Unterricht und pädagogische Arbeit erst ermöglichen. Sie beanspruchen allerdings auch Zeit und Aufmerksamkeit. Wenn gleichzeitig die Anforderungen an Förderung, Zusammenarbeit und Schulentwicklung wachsen, wird die Frage nach Entlastung immer dringlicher.

Die Cornelsen-Schulleitungsstudie, das Deutsche Schulbarometer und der KI-Trendmonitor beleuchten diese Situation aus unterschiedlichen Perspektiven. Zusammengelesen zeigen sie einen Zusammenhang: Schulen brauchen mehr Raum für anspruchsvolle pädagogische Arbeit. KI kann dabei unterstützen, wenn ihr Einsatz auch die organisatorischen Bedingungen dieser Arbeit berücksichtigt.

Die Belastung betrifft die gesamte Schule

In der Cornelsen-Schulleitungsstudie 2026 berichten 94 Prozent der befragten Schulleitungen an allgemeinbildenden Schulen von wachsenden Aufgaben ohne ausreichende Entlastung. 87 Prozent fehlt genügend Zeit für Führung, Entwicklung und Gestaltung. Unter den teilnehmenden Startchancen-Schulen nennen 82 Prozent Dokumentations- und Nachweispflichten als Hindernis bei der Umsetzung des Programms. Gute Vorhaben brauchen damit auch Arbeitsbedingungen, unter denen sie sich verwirklichen lassen. (Cornelsen-Schulleitungsstudie 2026, Kurzfassung, S. 4, 7 und 10)

Das Deutsche Schulbarometer Lehrkräfte 2026 ergänzt diese Leitungsperspektive um den Blick aus dem Kollegium. 46 Prozent der Befragten nennen das Verhalten der Schüler:innen als eine ihrer größten beruflichen Herausforderungen. 2024 waren es 35 Prozent. Weitere 34 Prozent nennen die Heterogenität der Schülerschaft. Die Anforderungen reichen damit weit über die Vermittlung von Fachwissen hinaus. (Deutsches Schulbarometer Lehrkräfte 2026, S. 16–17)

Die beiden Studien erfassen unterschiedliche Gruppen und Fragestellungen. Ihre Prozentwerte lassen sich deshalb nicht unmittelbar vergleichen. Inhaltlich ergänzen sie sich jedoch: Während Schulleitungen fehlende Gestaltungsspielräume beschreiben, erleben Lehrkräfte, wie anspruchsvoll die tägliche Begleitung unterschiedlicher Lern- und Entwicklungsbedürfnisse geworden ist.

Daraus ergibt sich eine wichtige Verbindung zwischen Organisation und Pädagogik. Je mehr Aufmerksamkeit individuelle Förderung, soziale Konflikte und die Zusammenarbeit mit Familien benötigen, desto bedeutsamer wird ein Schulalltag, in dem vermeidbare Verwaltungs- und Abstimmungsarbeit möglichst wenig Raum einnimmt.

Entlastung hat auch mit Zusammenarbeit zu tun

In der Cornelsen-Studie sehen 69 Prozent der Schulleitungen multiprofessionelle Teams als zentralen Hebel für mehr Lernerfolg. 90 Prozent wünschen sich eine Entlastung der Leitung durch bessere Aufgabenverteilung. (Cornelsen-Schulleitungsstudie 2026, Kurzfassung, S. 6 und 14)

Auch das Schulbarometer verweist auf die Bedeutung gemeinsamer Arbeit: Eine kooperative Schulkultur und Unterstützung durch Schulsozialarbeit stehen in der Untersuchung mit geringerem Belastungserleben in Zusammenhang. (Deutsches Schulbarometer Lehrkräfte 2026, S. 63–65)

Zusammenarbeit braucht dafür verlässliche Strukturen. Zuständigkeiten müssen geklärt, Informationen zugänglich und Vereinbarungen nachvollziehbar sein. Wo diese Grundlagen fehlen, kann auch ein größeres Team zusätzliche Abstimmung erfordern. Entlastung bedeutet deshalb, sowohl professionelle Unterstützung auszubauen als auch die gemeinsame Arbeit gut zu organisieren.

KI wird vor allem zur Unterrichtsvorbereitung genutzt

KI wird bereits genutzt, vor allem rund um die Unterrichtsvorbereitung. Nach dem Deutschen Schulbarometer 2026 verwendet ein Viertel der Lehrkräfte KI täglich oder mehrmals pro Woche. In der vorherigen Ausgabe lag dieser Anteil bei elf Prozent. KI entwickelt sich damit für einen wachsenden Teil der Lehrkräfte zu einem regelmäßigen Arbeitsmittel. (Deutsches Schulbarometer Lehrkräfte 2026, S. 37, Abb. 3.2)

Die Einsatzbereiche sind allerdings ungleich verteilt. Unter den Lehrkräften, die zumindest selten KI nutzen, setzen 64 Prozent sie zur Erstellung von Unterrichtsaufgaben ein und 58 Prozent zur Unterrichtsplanung. Für Kommunikation verwenden sie 33 Prozent, für Verwaltungsaufgaben 18 Prozent. Die Zahlen zeigen einen klaren Schwerpunkt auf der Vorbereitung von Unterricht. (Deutsches Schulbarometer Lehrkräfte 2026, S. 38, Abb. 3.3; Bezugsgruppe: 1.389 Lehrkräfte, die zumindest selten KI nutzen)

Das ist nachvollziehbar: Ein Aufgabenentwurf oder ein angepasstes Material bietet einen überschaubaren Einstieg. Der Nutzen lässt sich unmittelbar am eigenen Unterricht prüfen. Angesichts der Belastungen, die beide Schulstudien beschreiben, lohnt sich aber ein breiterer Blick auf die Unterstützungsmöglichkeiten.

KI kann auch schulische Abläufe unterstützen

Der KI-Trendmonitor erweitert die Perspektive auf schulische Abläufe. Der Trendmonitor KI in der Bildung 2026 der Deutschen Telekom Stiftung bestätigt das hohe eingeschätzte Potenzial bei Unterrichtsvorbereitung und Materialerstellung. Zugleich beschreibt er KI für Schulmanagement und Verwaltung als bisher wenig genutztes Feld. Die befragten Fachleute bewerten Unterstützung bei Planung und Management dennoch als besonders nützlich. Komplexe Prozesse und dezentrale Datenablagen erschweren bislang den Einsatz. (KI-Trendmonitor 2026, S. 8–9 und 34–37)

Hier lassen sich die Ergebnisse der drei Studien verbinden: Ein großer Entlastungsbedarf trifft auf eine KI-Nutzung, die sich bisher stark auf einzelne unterrichtsbezogene Tätigkeiten konzentriert. Daraus ergibt sich die Frage, welche weiteren wiederkehrenden Aufgaben sinnvoll unterstützt werden können.

Denkbar ist beispielsweise die Unterstützung bei der Vorbereitung von Konferenzen, Elterngesprächen oder Elternsprechtagen. KI kann vorhandene Informationen für eine Tagesordnung zusammenführen, Gesprächsgrundlagen strukturieren oder bei der organisatorischen Planung helfen. Auch für Förderberichte und Lernentwicklungsberichte lassen sich auf Grundlage dokumentierter Beobachtungen erste Entwürfe vorbereiten, die anschließend fachlich geprüft und ergänzt werden.

Für die Schulentwicklung und Schulorganisation kann KI außerdem als Sparringspartner dienen: etwa um ein Vorhaben in einzelne Schritte zu gliedern, verschiedene Vorgehensweisen abzuwägen oder offene Fragen in einem Konzept zu erkennen. Ein schulinterner KI-Chatbot könnte wiederum dabei helfen, Regelungen, Zuständigkeiten und Vereinbarungen aus freigegebenen Dokumenten schneller zu finden. Solche Anwendungen unterstützen Tätigkeiten, die im Schulalltag regelmäßig Zeit beanspruchen und häufig mehrere Beteiligte betreffen.

Agentische Systeme verknüpfen mehrere Arbeitsschritte

Eine weitere Perspektive eröffnen agentische Systeme. Diese können auf einen Auftrag hin mehrere Arbeitsschritte planen und miteinander verknüpfen. Laut KI-Trendmonitor wurden bis zum Frühjahr 2026 kaum vorgefertigte schulische KI-Agenten angeboten; häufig werden sie individuell eingerichtet. Für die kommenden fünf Jahre erwarten die befragten Fachleute jedoch einen deutlichen Bedeutungszuwachs. (KI-Trendmonitor 2026, S. 20 und 30–32)

Für wiederkehrende organisatorische Aufgaben könnte das beispielsweise bedeuten, relevante Unterlagen zusammenzustellen und daraus eine Konferenzvorbereitung mit Tagesordnung und offenen Punkten zu erarbeiten. Darin liegt eine Perspektive für die Unterstützung zusammenhängender Arbeitsabläufe.

Das sind mögliche Ansatzpunkte, keine aus den Studien abgeleiteten Versprechen über konkrete Zeitgewinne. Ob eine Anwendung tatsächlich entlastet, hängt davon ab, wie gut sie zum jeweiligen Ablauf passt und wie viel Aufwand für Eingabe, Prüfung und Nachbearbeitung entsteht.

Die Einführung muss selbst leistbar sein

Ein Werkzeug kann zusätzliche Arbeit verursachen, wenn Informationen doppelt gepflegt werden, Zuständigkeiten unklar bleiben oder Ergebnisse aufwendig kontrolliert werden müssen. Vor dem Einsatz lohnt es sich deshalb, bestehende Abläufe zu prüfen: Welche Arbeit ist notwendig? Was lässt sich vereinfachen? Wo kann technische Unterstützung einen klar abgegrenzten Teil übernehmen?

Dazu gehören passende Fortbildungen und verlässliche Unterstützung. Im Schulbarometer äußern 52 Prozent der Lehrkräfte persönlichen Fortbildungsbedarf zur KI-Nutzung. Wachsende Nutzung bedeutet also noch keine durchgängige Handlungssicherheit. (Deutsches Schulbarometer Lehrkräfte 2026, S. 13 und 69)

Gerade bei schulischen Informationen sind außerdem klare Zugriffsrechte und überprüfbare Ergebnisse entscheidend. Der KI-Trendmonitor betont die menschliche Verantwortung und empfiehlt, KI in einer unterstützenden Rolle einzusetzen. (KI-Trendmonitor 2026, S. 58–60)

Die Studien legen damit nahe, Entlastung als gemeinsame organisatorische und pädagogische Aufgabe zu verstehen. Dazu gehören ausreichend Personal, gute Zusammenarbeit, klare Abläufe und geeignete digitale Unterstützung. KI kann innerhalb dieses Rahmens einen Beitrag leisten. Ihr Nutzen sollte daran gemessen werden, ob sie Arbeit vereinfacht und Freiraum schafft, den Schulen für individuelle Förderung, Beziehungen und Entwicklung benötigen.

Zur Einordnung: Das Deutsche Schulbarometer Lehrkräfte 2026 beruht auf einer Befragung Ende 2025, die Cornelsen-Onlinebefragung fand im Frühjahr 2026 statt. Der KI-Trendmonitor ergänzt Befragungsergebnisse um Marktrecherchen und fachliche Einschätzungen. Die beschriebenen Anwendungsbeispiele sind daraus abgeleitete Überlegungen und keine in den Studien nachgewiesenen Entlastungseffekte.

Quellen und weiterführende Informationen

Weitere Beiträge

Gelesen? Probier es direkt aus.

Wenn du sehen möchtest, wie Kipti die beschriebenen Herausforderungen im Alltag entlastet, kannst du es sofort kostenlos testen.

  • Direkt loslegen
  • Alltagstauglich testen
  • Datenschutz mitgedacht