Wenn ich mit Schulleitungskolleg:innen über Künstliche Intelligenz spreche, höre ich häufig denselben Satz:
„Ich sehe das Potenzial, aber ich habe schlicht keine Zeit, mich damit auseinanderzusetzen.“
Diese Aussage ist nachvollziehbar. Schulleitung ist ein Arbeitsfeld mit hoher Taktung, permanenten Unterbrechungen und einem enormen Maß an Verantwortung. Genau deshalb stellt sich für mich nicht zuerst die Frage nach Innovation, sondern nach Entlastung. Nicht als Selbstzweck, sondern als Voraussetzung dafür, überhaupt gestaltend arbeiten zu können. KI wird in der öffentlichen Debatte oft mit großen Zukunftsversprechen verbunden. In meinem Alltag als stellvertretender Schulleiter erlebe ich ihren Nutzen jedoch vor allem im Kleinen: dort, wo sie hilft, Routinen zu vereinfachen, Denkprozesse zu strukturieren und Zeit für pädagogische Führung freizumachen.
Schulleitung bewegt sich permanent im Spannungsfeld zwischen strategischer Entwicklung und operativem Tagesgeschäft. Elternkommunikation, Berichte, Konzepte, Protokolle, Abstimmungen, vieles davon ist wichtig, aber nicht immer pädagogisch wirksam im engeren Sinne. Und doch bindet es Ressourcen, die an anderer Stelle fehlen: im Gespräch mit Kolleg:innen, in der Schulentwicklung, in der Reflexion. Ich habe lange geglaubt, dass Entlastung vor allem eine Frage besserer Organisation sei. Heute weiß ich: Sie ist auch eine Frage der Werkzeuge, die wir nutzen und der Haltung, mit der wir ihnen begegnen.
KI-gestützte Assistenten sind für mich keine „Schreibmaschinen“, sondern strukturierende Werkzeuge. Sie ersetzen keine Entscheidungen, aber sie helfen, Gedanken zu ordnen, Texte vorzubereiten und Varianten sichtbar zu machen. In der Zusammenarbeit mit fobizz habe ich unterschiedliche Assistenzformate kennengelernt und weiterentwickelt, die genau hier ansetzen: nicht bei der Automatisierung von Führung, sondern bei ihrer Unterstützung.
Ein zentrales Prinzip, dass sich in meiner bisherigen Erfahrung als sinnvoll herausgestellt hat, lautet:
KI arbeitet vorbereitend, nicht abschließend und die Verantwortung bleibt letztendlich immer bei der Schulleitung.
Ein klassisches Beispiel aus dem Alltag: Elternbriefe.
Ob Information, Einladung oder Konfliktkommunikation – kaum ein Text wird so häufig überarbeitet und so sorgfältig abgewogen. Gleichzeitig kosten genau diese Texte enorm viel Zeit. Ein Elternpost-Guide, der in der Schulleitung aufgrund von Erfahrungen aus den letzten Jahren entsteht, dient hier als strukturierte Schreibunterstützung. Auf Basis weniger Stichpunkte entstehen Textvorschläge, die sprachlich klar, adressatengerecht und sachlich bleiben. Besonders wichtig ist es an dieser Stelle, dass die eigene „Handschrift“ in der Unterstützung mit KI nicht unkenntlich wird. Das Überarbeiten von KI-Texten sollte in jedem Schreibprozess mitgedacht und im Sinne eines „human in the loop“ selbstverständlich implementiert sein.
Entscheidend ist nämlich, dass die KI zwar den Kontext kennt, nicht aber die Situation und ihre spezifischen, systemischen Ebenen. Deshalb bleibt die Feinjustierung wie Ton, Schwerpunkt, persönliche Ergänzungen immer menschliche und letztendlich Aufgabe der Schulleitung.
In der Praxis bedeutet das:
Ich starte nicht mehr bei einem leeren Dokument, sondern bei einem vorstrukturierten Entwurf, den ich bewusst prüfe, verändere und verantwortet versende.
Ein weiterer Anwendungsfall ist der Schulleitungsassistent in Form eines eigens dafür erstellten KI-Assistenten. Er unterstützt bei Aufgaben, die weniger kreativ, aber kognitiv anspruchsvoll und oft redundant sind, beispielsweise beim:
Gerade bei längeren Texten kann die KI dabei helfen, Gedanken zu ordnen, in einem iterativen Prozess Strukturen zu planen und aus Stichpunkten Textabschnitte zu formulieren. Im besten Falle werden sie nicht genutzt, um Inhalte stumpf zu „erzeugen“, sondern um komplexe Sachverhalte in sinnvolle Abschnitte zu untergliedern und mit KI in einer Art Co-Kreation „gemeinsam“ Inhalte zu entwickeln.
Dabei helfen die folgenden Fragen, im Sinne einer Vorstrukturierung:
Je genauer die Gedanken zum Zielwert der Arbeit mit einer KI-Assistenz sind, desto präziser kann diese den Prozess unterstützen. Die eigentliche Arbeit mit künstlicher Intelligenz besteht demnach nicht darin einen besonders effektiven Prompt zu generieren, sondern in der gezielten Planung des gewünschten Ergebnisses. Diese Form der Unterstützung spart letztlich Zeit und erhöht paradoxerweise oft die Qualität, weil mehr Raum für inhaltliche Reflexion bleibt.
Ein zentraler Punkt in allen Gesprächen mit Schulleitungen ist der Datenschutz. Und zu Recht. KI darf nur dort eingesetzt werden, wo rechtliche Rahmenbedingungen eingehalten werden und sensible Daten geschützt sind.
In der Praxis gilt deshalb ein klarer Grundsatz:
Keine personenbezogenen Daten, keine sensiblen Inhalte, klare Trennung von Entwurf und Entscheidung.
DSGVO-konforme Plattformen wie fobizz schaffen hier zwar einen notwendigen Schutzraum. Sie ersetzen aber nicht die Verantwortung der Schulleitung, diese Prozesse letztlich zu überwachen. Sie ermöglichen jedoch gleichzeitig einen rechtssicheren Einstieg in die Arbeit mit KI. Entlastung ohne Vertrauen funktioniert nicht, Vertrauen ohne rechtliche Sicherheit aber ebenso wenig.
Die große Gefahr bei der Implementation von KI in schulische Prozesse lässt sich gut in der folgenden Grafik deutlich machen:

Der schon oft bemühte Gartner Hype Cycle beschreibt das regelmäßige Phänomen bei der Implementation von neuen Technologien in bestehende Systeme. Im Falle von KI ist besonders die Erwartungshaltung hervorzuheben, dass mit dem Nutzen dieser Technologie quasi über Nacht sämtliche Arbeit von der KI übernommen wird und ich als Schulleitung oder Lehrkraft nichts mehr zu tun habe. Verstärkt wird dieser Effekt dadurch, dass dieses Narrativ von nicht wenigen Akteuren im Bildungsbereich aggressiv propagiert wird.
Die Ernüchterung kommt jedoch recht schnell, wenn klar wird, dass die effektive Arbeit mit KI erstens eine relativ tief gehende Beschäftigung mit künstlicher Intelligenz voraussetzt und gute Ergebnisse davon abhängen, wie gut die bedienende Person ist.
Wenn aus diesem Effekt jedoch der Wille entsteht, die bestehenden Chancen, die in der Nutzung durch KI liegen, nutzen zu wollen, kann dieses „Tal der Desillusionierung“ durchschritten werden. Anschließend kann durch eine realistischere Erwartungshaltung und der Beschäftigung mit den tatsächlichen Möglichkeiten von KI in der Schule eine effektive Nutzung möglich werden.
Daraus ergibt sich die Erkenntnis, dass der größte Effekt sich in der Regel nicht durch das einfache Einführen einzelner Anwendungen zeigt, sondern durch eine veränderte Arbeitsweise und eine angepasste Haltung. Wenn KI als selbstverständliches Werkzeug akzeptiert wird, verschiebt sich der Fokus: weg von der Frage „Wozu soll das gut sein?“ hin zu „Wie kann mich das sinnvoll und tatsächlich unterstützen?“
Ein kleines Praxisbeispiel könnte folgendermaßen aussehen:
Die Schulleitung stellt allen Kolleg:innen eine KI-Lösung bzw. eine Plattform mit unterschiedlichen Angeboten zur Verfügung. Einzelne Kolleg:innen probieren danach erste Assistenten und andere Möglichkeiten aus und teilen ihre Erfahrungen im Kollegium. Sie passen Assistenten im Nachgang an und zeigen deren Nutzung in Microfortbildungen. Aus individuellen Erprobungen kann so allmählich eine gemeinsame Praxis entstehen.
KI macht Schulleitung nicht einfacher, da sie bei allen Versprechen die eigentliche Herausforderung, die in der Übernahme der Verantwortung für ein komplexes System liegt, nicht übernehmen kann. Dies ist und bleibt immer Aufgabe der schulischen Führungskräfte, auch mit KI. Gleichzeitig kann sie eine deutliche Entlastung mit sich bringen und Schulleitungen gerade in wiederkehrenden Verwaltungsaufgaben unterstützen. Digitale Assistenten sind dabei kein Selbstzweck. Sie sind Werkzeuge und wie alle guten Werkzeuge entfalten sie ihre Wirkung erst dann, wenn sie reflektiert und bewusst eingesetzt werden.
KI kann helfen, indem sie Routinen erleichtern und Freiräume schaffen. Im besten Falle bleibt danach mehr Zeit für Gespräche, für strategisches Denken, für pädagogische Führung. Effizient leiten mit KI heißt deshalb nicht, Verantwortung abzugeben. Es heißt, sich auf das zu konzentrieren, was Führung im Kern ausmacht, nämlich Orientierung geben, Entscheidungen treffen, Menschen begleiten und psychologische Sicherheit für alle im System Wirkenden schaffen. Gerade in Zeiten von KI ist das ganz besonders wichtig.