Schule bei zunehmender Heterogenität: Belastungen und Handlungsansätze
Die Vielfalt der Lernvoraussetzungen in Schulen ist ein zentrales Thema der aktuellen Bildungsdebatte. Während Heterogenität pädagogisch angestrebt wird, resultiert sie in der Schulpraxis häufig in einer hohen Arbeitsbelastung für das Personal. In der Zeitschrift für Bildungsforschung (ZfB, 2025; DOI: 10.1007/s35834-025-00523-3) untersucht Susanne Enssen, wie Schulleitungen mit diesen Anforderungen umgehen. Die aktuellen Daten des Deutschen Schulbarometers verdeutlichen die Notwendigkeit systemischer Lösungen.
1. Die aktuelle Datenlage: Belastungsfaktoren im Schulalltag
Das Deutsche Schulbarometer vom Juni 2025 belegt die Herausforderungen, vor denen Lehrkräfte derzeit stehen:
Schülerverhalten: 42 % der Lehrkräfte geben an, dass das Verhalten der Schüler:innen die größte Herausforderung in ihrer beruflichen Tätigkeit darstellt. Dieser Wert ist im Vergleich zum Vorjahr (35 %) gestiegen.
Arbeitsbelastung: 83 % der Befragten empfinden den Umgang mit heterogenen Lernvoraussetzungen als sehr hohe zusätzliche Belastung.
Unterrichtsqualität: 55 % der Lehrkräfte äußern die Sorge, dass die Qualität des Unterrichts aufgrund der starken Heterogenität sinkt.
Diese Daten zeigen, dass die individuelle Förderung bei gleichzeitig hohen Fallzahlen und unterschiedlichen Bedürfnissen ohne strukturelle Unterstützung schwer umsetzbar ist.
2. Dimensionen der Heterogenität
Heterogenität in der Schule ist ein mehrdimensionales Phänomen. In der Fachliteratur (u. a. bei Annedore Prengel oder Katharina Walgenbach) werden verschiedene Differenzlinien beschrieben, die die Zusammensetzung einer Lerngruppe bestimmen:
Leistung: Unterschiedliche kognitive Fähigkeiten und Lernstände.
Sozioökonomischer Status: Einflüsse der sozialen Herkunft auf den Bildungsweg.
Sprache und Migration: Erst- und Zweitspracherwerb sowie unterschiedliche kulturelle Hintergründe.
Sonderpädagogischer Förderbedarf: Gemeinsames Lernen von Kindern mit und ohne Beeinträchtigungen.
Psychosoziale Gesundheit: Ein zunehmend relevanter Faktor. Laut Schulbarometer sehen 43 % der Lehrkräfte hohen Fortbildungsbedarf im Umgang mit psychisch belasteten Schüler:innen.
Wenn mehrere dieser Merkmale bei einzelnen Schüler:innen zusammentreffen (Intersektionalität), erhöht sich die Komplexität der pädagogischen Arbeit erheblich.
3. Erkenntnisse der Studie von Susanne Enssen
Die Untersuchung von Susanne Enssen macht deutlich, dass der Umgang mit Heterogenität eine zentrale Aufgabe der Schulentwicklung und der Schulleitung ist. Die Studie identifiziert wesentliche Strategien, die Schulleitungen anwenden:
Strukturelle Organisation: Schulleitungen schaffen Rahmenbedingungen, die Kooperation ermöglichen und Verantwortlichkeiten klären.
Multiprofessionelle Zusammenarbeit: Die Einbindung von Sonderpädagogik und Schulsozialarbeit wird als notwendige Bedingung für die Entlastung des Kollegiums und die Förderung der Schüler:innen beschrieben.
Etablierung einer gemeinsamen Haltung: Die Entwicklung einer Schulkultur, die Vielfalt als strukturelle Gegebenheit akzeptiert, ist ein wesentliches Ziel der Leitungsebene.
Fazit
Die Forschungsergebnisse von Susanne Enssen und die Daten des Schulbarometers verdeutlichen, dass Heterogenität eine professionelle Steuerung erfordert. Um die Belastung der Lehrkräfte zu reduzieren, sind systemische Ansätze notwendig. Dazu gehören eine koordinierte Schulleitungsstrategie, die Förderung multiprofessioneller Teams und die Bereitstellung von Ressourcen, die administrative Abläufe vereinfachen und Zeit für die pädagogische Arbeit schaffen.
Quellen:
Enssen, S. (2025): Wahrnehmung und Strategien von Schulleitungen im Umgang mit der Heterogenität ihrer Schülerinnen. Zeitschrift für Bildungsforschung.
Robert Bosch Stiftung (2025): Das Deutsche Schulbarometer – Befragung von Lehrkräften.
Prengel, A. (2019): Pädagogik der Vielfalt. Verschiedenheit und Gleichberechtigung in Interkultureller, Sonder- und Integrationspädagogik.
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